Wartungsplanung

Instandhaltung von Anlagen: Strategien, Normen und Kennzahlen

Instandhaltung von Anlagen: DIN 31051, DIN EN 13306 und VDI 2890 erklärt, dazu MTBF, MTTR, OEE und typische Kosten von 2 bis 4 Prozent vom Anlagenwert.

Das Wichtigste auf einen Blick

  • DIN 31051 gliedert die Instandhaltung in vier Maßnahmen: Wartung, Inspektion, Instandsetzung und Verbesserung.
  • DIN EN 13306 liefert die Begriffe, VDI 2890 ordnet die Ersatzteilbewirtschaftung.
  • MTBF, MTTR, Verfügbarkeit und OEE zeigen, ob eine Strategie wirkt.
  • Als Richtwert gelten 2 bis 4 Prozent des Wiederbeschaffungswerts pro Jahr.
  • Bei einer Anlage für 500.000 Euro entspricht das 10.000 bis 20.000 Euro netto jährlich, zuzüglich 19 Prozent Umsatzsteuer.

Was Instandhaltung nach DIN 31051 umfasst

DIN 31051 beschreibt Instandhaltung als Kombination aller technischen und administrativen Maßnahmen während des Lebenszyklus einer Betrachtungseinheit. Ziel ist es, den funktionsfähigen Zustand zu erhalten oder wiederherzustellen. Die Norm trennt vier Maßnahmen, die sich gegenseitig ergänzen.

Der Abnutzungsvorrat ist der Teil der theoretisch möglichen Nutzung, der zu einem Zeitpunkt noch vorhanden ist. Betrieb, Reibung, Korrosion und Alterung verringern ihn. Jede der vier Maßnahmen greift an einer anderen Stelle dieses Vorrats an.

Wartung verzögert den Abbau des Abnutzungsvorrats. Dazu gehören Schmieren, Reinigen, Nachstellen, das Ergänzen von Betriebsstoffen und der Wechsel von Filterelementen. Der Zustand der Anlage ändert sich dabei nicht grundsätzlich, seine Verschlechterung verlangsamt sich.

Inspektion stellt den Ist-Zustand fest und beurteilt ihn. Übliche Verfahren sind Sichtprüfung, Schwingungsmessung, Thermografie und Ölanalyse. Aus der Inspektion entsteht die Datenbasis für jede zustandsorientierte Entscheidung.

Instandsetzung stellt den Soll-Zustand wieder her. Sie umfasst Reparaturen, den Austausch verschlissener Baugruppen und die erneute Inbetriebnahme. Erfolgt sie erst nach einer Störung, kommen Stillstandskosten hinzu.

Verbesserung erhöht Zuverlässigkeit, Wartungsfreundlichkeit oder Sicherheit einer Anlage. Sie lässt sich mit den drei anderen Maßnahmen verbinden. Ein Beispiel ist eine besser zugängliche Schmierstelle, die künftige Wartungsarbeiten verkürzt.

Ein Beispiel aus der Praxis zeigt die Abgrenzung. An einer Kreiselpumpe sind Lagertemperatur und Schwingung zu messen, der Ölstand zu kontrollieren und die Kupplung nachzustellen. Die Messung gehört zur Inspektion, der Ölwechsel zur Wartung, der Lagertausch zur Instandsetzung und eine geänderte Lagerung zur Verbesserung.

Die vier Maßnahmen verursachen unterschiedliche Kosten. Wartung und Inspektion sind planbar und binden Personal in geregelten Zeitfenstern. Eine Instandsetzung nach einem Ausfall erzwingt Arbeit in Randzeiten und erzeugt Produktionsverluste. Verbesserungen zahlen sich erst über die Restlebensdauer aus.

Instandhaltung ist damit mehr als Reparatur. Sie entscheidet mit darüber, welche Verfügbarkeit eine Produktion erreicht und wie hoch die Kosten über den gesamten Lebenszyklus ausfallen.

Rechtlich verpflichtet die Betriebssicherheitsverordnung (BetrSichV) Arbeitgeber, Arbeitsmittel instand zu halten und wiederkehrend prüfen zu lassen. Prüffristen leiten sich aus der Gefährdungsbeurteilung ab, die Ergebnisse sind zu dokumentieren. Wartung, Prüfung und Instandsetzung sind dort als Pflichten des Arbeitgebers verankert.

Normen und Regelwerk für die Instandhaltung

DIN EN 13306 ist die Begriffsnorm der Instandhaltung. Sie definiert unter anderem vorbeugende Instandhaltung, ausfallbedingte Instandhaltung, zustandsorientierte Instandhaltung und Instandhaltungsstrategie. Wer in Ausschreibungen oder Berichten von vorbeugender Instandhaltung spricht, sollte diese Definition zugrunde legen.

DIN 31051 baut darauf auf und ordnet die Maßnahmen. Beide Normen ergänzen sich: DIN EN 13306 klärt die Sprache, DIN 31051 strukturiert die Arbeit.

VDI 2890 behandelt die Ersatzteilbewirtschaftung in der Instandhaltung. Die Richtlinie beschreibt, wie Ersatzteile klassifiziert, bevorratet und beschafft werden. Dazu gehören ABC-Analysen, Mindestbestände, Sicherheitsbestände und die Wiederbeschaffungszeit kritischer Teile.

Welche Rolle Sicherheitsanforderungen in Normen spielen, erläutert das DIN unter Arbeitsschutz in der Normung. Einen Überblick über die Entwicklung und Anwendung von Regelwerken bietet Normen und Standards.

Auf Unternehmensebene steht die Normenreihe DIN ISO 55000 für Asset Management. Sie verlangt eine Strategie für den gesamten Anlagenbestand, aus der sich Ziele für die Instandhaltung ableiten lassen.

Gesetz und Norm wirken unterschiedlich. Die Betriebssicherheitsverordnung formuliert Pflichten, technische Normen beschreiben Wege, wie diese Pflichten erfüllt werden können. Wer eine einschlägige Norm anwendet, erleichtert den Nachweis gegenüber der Aufsicht erheblich.

Normen ersetzen keine Anlagenkenntnis. Sie liefern Rahmen, Begriffe und Mindestanforderungen. Die konkrete Strategie entsteht aus Kritikalität, Ausfallfolgen und Budget.

Instandhaltungsstrategien im Vergleich

Eine Instandhaltungsstrategie legt fest, wodurch eine Maßnahme ausgelöst wird. Der Auslöser bestimmt Kosten und Verfügbarkeit stärker als die Frage, wer die Arbeit ausführt.

  • Ausfallstrategie: Auslöser ist die Störung, gemessen werden MTTR und Stillstandskosten.
  • Vorbeugende Instandhaltung: Auslöser sind Intervall oder Betriebsstunden, gemessen wird der Planungsgrad.
  • Zustandsorientierte Instandhaltung: Auslöser ist eine Grenzwertüberschreitung, gemessen werden Schwingung, Temperatur und Partikel.
  • Vorausschauende Instandhaltung: Auslöser ist eine Prognose, gemessen wird die Restlebensdauer.
  • Risikobasierte Instandhaltung: Auslöser ist die Risikobewertung, gemessen wird die Risikopriorität.

Die Ausfallstrategie ist wirtschaftlich, solange die Folgen einer Störung gering bleiben, etwa bei einer Pumpe mit Reserve oder einem Förderband mit Puffer. Bei Engpassanlagen führt sie zu ungeplanten Stillständen mit hohen Folgekosten.

Feste Intervalle sind planbar und einfach zu steuern. Ihr Risiko liegt in der Überwartung, weil Bauteile getauscht werden, deren Zustand den Weiterbetrieb erlaubt. Herstellerangaben allein sind selten eine tragfähige Grundlage, weil sie von idealen Bedingungen ausgehen.

Die Zustandsorientierung senkt Materialverbrauch und die Zahl unnötiger Eingriffe. Sie setzt geeignete Messgrößen, stabile Randbedingungen und Personal voraus, das Messwerte bewerten kann. Ohne Vorlaufzeit zwischen erkennbarem Trend und Ausfall nutzt sie wenig.

Die Prognose aus Trenddaten erlaubt es, den Eingriff in ein geplantes Fenster zu legen. Der Aufwand für Sensorik, Datenübertragung und Auswertung ist hoch, der Nutzen wächst mit der Kritikalität der Anlage.

Die risikobasierte Bewertung stammt aus der Zuverlässigkeitsmethodik Reliability Centered Maintenance und arbeitet mit FMEA oder FMECA. Das Ergebnis ist eine Prioritätenliste, die Budget dort einsetzt, wo das höchste Risiko sinkt.

Total Productive Maintenance setzt zusätzlich bei der Bedienmannschaft an. Operatoren reinigen, prüfen und pflegen ihre Anlagen selbst, während die Instandhaltung komplexe Aufgaben übernimmt. Der Ansatz erhöht die Anlagenverantwortung, verlangt aber Schulung und Zeit.

Das Ausfallverhalten hilft bei der Auswahl. Frühausfälle treten kurz nach der Inbetriebnahme auf, Zufallsausfälle ohne erkennbaren Zusammenhang mit dem Alter, Ermüdungsausfälle am Ende der Lebensdauer. Intervallstrategien passen zu Ermüdungsausfällen, Zustandsüberwachung zu Zufallsausfällen mit messbarer Vorlaufzeit.

In der Praxis ist ein Strategiemix sinnvoll. Kritische Anlagen erhalten Zustandsüberwachung, unkritische Aggregate die Ausfallstrategie. Eine Kritikalitätsanalyse zeigt, welche Anlage in welche Klasse fällt.

Zustandsüberwachung als Datenbasis

Zustandsüberwachung liefert die Messwerte für zustandsorientierte Entscheidungen. Die Schwingungsdiagnose erkennt Unwucht, Fluchtfehler und Lagerschäden. Hüllkurvenverfahren trennen Wälzlagerfehler vom übrigen Signal.

Die Thermografie findet heiße elektrische Verbindungen, überlastete Antriebe und geschädigte Lager. Ultraschallmessungen zeigen Undichtigkeiten an Druckluft- und Dampfsystemen, die akustisch nicht hörbar sind.

Die Ölanalyse bewertet Partikelzahl, Wassergehalt und Viskosität eines Schmierstoffs. Sie eignet sich für Getriebe, Hydraulik und Turbinen. Die Partikelzahl wird häufig nach ISO 4406 in Stufen angegeben.

Online-Sensorik erfasst diese Größen kontinuierlich, manuelle Messungen bleiben für Anlagen ohne feste Installation sinnvoll. Bewährt haben sich drei Alarmstufen: Vorwarnung, Warnung und Alarm, jeweils mit definierter Reaktion.

Grenzwerte stammen aus Herstellerangaben, Normen und eigenen Messreihen. Für die Bewertung von Maschinenschwingungen gilt die Normenreihe DIN ISO 20816, die Zonen von gut bis unzulässig definiert. Absolute Werte sind weniger aussagekräftig als der Trend am selben Messpunkt unter gleichen Bedingungen.

Ohne Referenzwerte aus dem Neuzustand bleibt jede Trendaussage unsicher. Drehzahl, Last und Umgebungstemperatur müssen bei der Bewertung bekannt sein, sonst führt der Vergleich in die Irre.

Kennzahlen: MTBF, MTTR, OEE und Verfügbarkeit

Kennzahlen machen die Wirkung einer Strategie sichtbar. Vier Größen genügen für den Einstieg: MTBF, MTTR, Verfügbarkeit und OEE.

Die Mean Time Between Failures (MTBF) ist die mittlere Betriebsdauer zwischen zwei Ausfällen. Sie ergibt sich aus der Betriebszeit geteilt durch die Anzahl der Ausfälle. Bei verschleißbehafteten Bauteilen bleibt sie nur begrenzt aussagekräftig, weil die Ausfallrate über die Lebensdauer nicht konstant ist.

Die Mean Time To Repair (MTTR) ist die mittlere Dauer einer Instandsetzung. Sie umfasst Diagnose, Reparatur, Montage und Funktionsprüfung, nicht aber die Wartezeit auf Ersatzteile, wenn diese getrennt erfasst wird. Sehr kurze Werte entstehen auch durch provisorische Reparaturen, die neue Ausfälle erzeugen.

Die technische Verfügbarkeit ergibt sich als Quotient aus MTBF und der Summe aus MTBF und MTTR. Bei 96 Stunden MTBF und 4 Stunden MTTR liegt sie bei 96 Prozent. Die Kennzahl bezieht sich auf die geplante Nutzungszeit, nicht auf das Kalenderjahr.

Die Overall Equipment Effectiveness (OEE) multipliziert drei Faktoren: Verfügbarkeit, Leistungsgrad und Qualitätsrate. Der Leistungsgrad vergleicht die tatsächliche Stückzahl mit der theoretisch möglichen, die Qualitätsrate den Gutanteil an der produzierten Menge. Ein OEE von 85 Prozent setzt voraus, dass alle drei Faktoren bei etwa 95 Prozent liegen.

Weitere Kennzahlen ergänzen das Bild: der Planungsgrad als Anteil geplanter an allen Instandhaltungsstunden, die Ersatzteilverfügbarkeit, die Wiederholreparaturquote und die Instandhaltungskosten je Betriebsstunde.

Jede Kennzahl braucht eine klare Definition: Bezugszeitraum, Anlagengrenze und Zählweise der Ausfälle. Sonst sind Werte aus verschiedenen Werken nicht vergleichbar. Sinnvoll ist ein monatliches Reporting mit Anlagenverfügbarkeit, Planungsgrad und Kosten je Betriebsstunde.

Kennzahlen lassen sich gegeneinander ausspielen. Wer nur die MTTR senkt, kann die Ausfallhäufigkeit erhöhen. Verfügbarkeit, Kosten und Ausfallhäufigkeit gehören deshalb in ein gemeinsames Kennzahlenset.

Rechenbeispiel: Verfügbarkeit und OEE einer Abfüllanlage

Eine Abfüllanlage ist für 500 Stunden im Monat eingeplant. In diesem Zeitraum treten fünf Störungen auf, die zusammen 20 Stunden Instandsetzungszeit verursachen. Daraus ergeben sich 480 Stunden Betriebszeit, eine MTTR von 4 Stunden und eine MTBF von 96 Stunden.

Die Verfügbarkeit liegt bei 96 Prozent. Die Anlage produziert 45.000 Flaschen, bei voller Taktzeit wären 50.000 Flaschen möglich. Der Leistungsgrad beträgt damit 90 Prozent.

Von den 45.000 Flaschen sind 44.100 fehlerfrei, die Qualitätsrate liegt bei 98 Prozent. Die OEE ergibt sich aus 0,96 mal 0,90 mal 0,98 und beträgt 84,7 Prozent.

Der Vergleich mit dem Vormonat zeigt, ob eine Maßnahme wirkt. Steigt die Verfügbarkeit, während Ausschuss und Nacharbeit zunehmen, hat sich das Problem möglicherweise nur verschoben.

Instandhaltungskosten: 2 bis 4 Prozent vom Wiederbeschaffungswert

Als Richtwert für Instandhaltungskosten gelten 2 bis 4 Prozent des Wiederbeschaffungswerts pro Jahr. Der Wiederbeschaffungswert ist der Betrag, der heute für eine gleichwertige Anlage aufzubringen wäre. Er liegt meist über dem Buchwert.

Beispielrechnung für eine Anlage im Wert von 500.000 Euro

Eine Anlage hat einen Wiederbeschaffungswert von 500.000 Euro netto. Bei einer Quote von 2 Prozent ergibt das 10.000 Euro netto pro Jahr, bei 4 Prozent 20.000 Euro netto pro Jahr. Mit der Umsatzsteuer von 19 Prozent liegen die jährlichen Aufwendungen zwischen 11.900 und 23.800 Euro brutto.

In diesen Beträgen stecken Personalkosten der eigenen Instandhaltung, Fremdleistungen, Ersatzteile, Betriebsstoffe, Werkzeuge und die Kosten des Instandhaltungsprogramms. Ausfallkosten, Ausschuss und Nacharbeit werden meist nicht der Instandhaltung zugerechnet.

Für den Vergleich zwischen Standorten eignet sich die Kostenquote, also Instandhaltungskosten geteilt durch Wiederbeschaffungswert. Sie ist robuster als absolute Budgets, weil sie die Anlagengröße berücksichtigt.

Einen Bezugsrahmen für die eigene Einordnung bieten die Daten des Statistischen Bundesamts zur Industrie und zum Verarbeitenden Gewerbe, die Investitionen und Produktionsstrukturen ausweisen.

Sinkende Instandhaltungskosten sind kein Ziel an sich. Ein zu knappes Budget verschiebt Aufwand in ungeplante Stillstände, deren Kosten nicht im Instandhaltungsbudget erscheinen.

Auch das Ersatzteillager bindet Kapital. Bestände verursachen Lagerkosten und verlieren durch Obsoleszenz an Wert. Eine schlanke, nach Kritikalität gestaffelte Bevorratung ist günstiger als eine Vollversorgung auf Verdacht.

Wartungsplanung und Wartungsprogramme

Die Wartungsplanung übersetzt die Strategie in Termine, Arbeitspakete und Ressourcen. Kern ist der Wartungsplan: pro Anlage und Baugruppe die Tätigkeit, das Intervall, die Dauer, die benötigten Ersatzteile und die Qualifikation der Ausführenden.

Intervalle entstehen aus Herstellerangaben, gesetzlichen Fristen, Betriebsstunden und Erfahrungswerten. Bei sicherheitsrelevanten Arbeitsmitteln kommen wiederkehrende Prüfungen durch eine befähigte Person hinzu, deren Fristen aus der Gefährdungsbeurteilung folgen.

Ein Instandhaltungsprogramm verwaltet diese Pläne und erzeugt Aufträge. Es führt Anlagenstammdaten, Wartungspläne, Ersatzteillager, Kostenstellen und Historie zusammen. Ohne belastbare Historie fehlt die Grundlage für jede Verbesserung.

Wichtig ist die Arbeitsvorbereitung. Material, Werkzeug, Genehmigungen und Freigabezeiten müssen vor dem Termin geklärt sein. Fehlt ein Bauteil, steigt der Anteil ungeplanter Arbeit.

Mobile Erfassung verkürzt den Weg von der Rückmeldung zur Auswertung. Ersatzteile werden direkt am Auftrag gebucht, wodurch Verbrauch und Bestand zusammenpassen. Papierlisten erreichen die Auswertung dagegen oft verspätet oder gar nicht.

Der Backlog zeigt, wie viel geplante Arbeit offen ist. Ein dauerhaft hoher Rückstand bedeutet, dass die Intervalle nicht zum Personalstand passen oder die Anlage mehr Aufwand fordert als geplant.

Auch die Intervalle selbst gehören auf den Prüfstand. Verkürzt sich der Abstand zwischen Störungen an derselben Baugruppe, ist das Intervall zu lang oder die Ursache wurde nicht behoben.

Wartungsverträge und Servicedienstleister

Nicht jede Tätigkeit gehört in eigene Hände. Fremdvergabe bietet sich an, wenn Spezialwissen nötig ist, die Auslastung schwankt oder Prüfungen durch befähigte Personen gefordert sind.

Typische Vertragsformen sind der Inspektionsvertrag, der Wartungsvertrag und der Vollwartungsvertrag mit Instandsetzung und Ersatzteilversorgung. Hinzu kommen Vereinbarungen über Zustandsüberwachung als Dienstleistung.

Der Vertrag sollte Kennzahlen enthalten: Reaktionszeit, Wiederherstellungszeit, Verfügbarkeitszusagen und Nachweispflichten. Reaktionszeit und Wiederherstellungszeit sind nicht dasselbe, denn die erste beschreibt den Beginn der Arbeit und die zweite ihr Ende.

Ebenso wichtig ist die Abgrenzung der Schnittstellen. Wer lagert Ersatzteile, wer stellt die Anlage frei, wer dokumentiert die Maßnahme im Instandhaltungsprogramm?

Ein Rahmenvertrag regelt die Zusammenarbeit über mehrere Jahre und sichert Reaktionszeiten zu. Einzelaufträge eignen sich für seltene Sonderarbeiten. Beide Formen brauchen eine Regel, wie die erbrachte Leistung nachgewiesen wird.

Anbieter vergleichen heißt, Referenzen, Qualifikation und Ersatzteillogistik zu prüfen. Der günstigste Preis hilft wenig, wenn die Wiederbeschaffungszeit eines Bauteils den Stillstand verlängert.

Instandhaltungsstrategie bewerten: fünf Schritte

  1. Anlagen erfassen und kritisch bewerten: Ausfallfolgen für Sicherheit, Umwelt, Qualität und Durchsatz einschätzen und in Kritikalitätsklassen einteilen.
  2. Daten prüfen: Instandhaltungskosten, Störungsdauer und Ersatzteilverbrauch der letzten 12 bis 24 Monate aus dem Instandhaltungsprogramm auswerten.
  3. Ausfallmuster analysieren: Häufigkeiten nach Pareto ordnen, Wiederholausfälle markieren und für kritische Baugruppen eine FMEA erstellen.
  4. Strategie je Anlage festlegen: Maßnahmen und Intervalle aus Kritikalität, Ausfallverhalten und Messbarkeit des Zustands ableiten.
  5. Ziele verankern: Kennzahlen, Budget und Prüftermine festlegen und nach zwölf Monaten nachjustieren.

Die Qualität des Ergebnisses hängt an der Datenbasis. Störungen müssen mit einheitlichen Codes erfasst und von den Technikern zurückgemeldet werden, sonst entsteht aus dem Programm keine Auswertung.

Wer die Strategie umstellt, sollte mit einer Anlage beginnen. Ein Pilot zeigt, ob Sensorik, Personal und Ersatzteillogistik zusammenwirken. Nach der Auswertung lässt sich der Ansatz auf weitere Anlagen derselben Kritikalitätsklasse übertragen.

Ersatzteile begrenzen die Wirksamkeit jeder Strategie. Fehlt ein kritisches Teil, hilft die beste Überwachung nicht. Bestände werden nach Kritikalität, Verbrauch und Wiederbeschaffungszeit gestaffelt, Sicherheitsbestände bleiben kritischen Teilen vorbehalten.

Auch Obsoleszenz gehört dazu. Steuerungen und Elektronikkomponenten laufen aus, während die Mechanik Jahrzehnte hält. Eine Ersatzteilstrategie muss diese Lücke kennen und rechtzeitig Ersatz beschaffen.

Häufige Fragen

Was unterscheidet DIN 31051 von DIN EN 13306?

Beide Normen gehören zusammen. DIN EN 13306 definiert die Begriffe der Instandhaltung, DIN 31051 gliedert die Maßnahmen in Wartung, Inspektion, Instandsetzung und Verbesserung.

Wie oft muss eine Anlage gewartet werden?

Eine allgemeine Frist gibt es nicht. Herstellerangaben, Gefährdungsbeurteilung, Betriebsstunden und Erfahrungswerte bestimmen die Intervalle. Bei sicherheitsrelevanten Arbeitsmitteln kommen wiederkehrende Prüfungen hinzu.

Welche Kennzahl ist aussagekräftiger, MTBF oder MTTR?

Die beiden messen Verschiedenes. Die MTBF beschreibt die Zuverlässigkeit, die MTTR die Instandsetzungsfähigkeit. Zusammen ergeben sie die Verfügbarkeit.

Wie hoch dürfen Instandhaltungskosten sein?

Als Orientierung gelten 2 bis 4 Prozent des Wiederbeschaffungswerts pro Jahr. Entscheidend ist der Vergleich mit den Ausfallfolgen, denn bei hohen Stillstandskosten kann ein höheres Budget wirtschaftlich sein.

Wann lohnt sich zustandsorientierte Instandhaltung?

Sie lohnt sich bei hohen Ausfallfolgen, messbarem Verschleiß und ausreichender Vorlaufzeit bis zum Schaden. Bei selten genutzten oder unkritischen Aggregaten bleibt die Intervallstrategie günstiger.

In diesem Leitfaden

  1. Instandhaltungsstrategien vorbeugend oder zustandsbasiert im VergleichVorbeugende, zustandsbasierte und vorausschauende Instandhaltung im Vergleich: Kriterien, Kosten, DIN EN 13306, VDI 2890 und Anbieter von Zustandsüberwachung.
  2. 3 Fehler in der Instandhaltung, die Kosten verursachenFehler in der Instandhaltung kosten Geld: fehlende Dokumentation, falsche Ersatzteilbevorratung und ignorierte Zustandsdaten mit Beispielrechnungen und Quellen.
  3. Leitfaden zur Instandhaltung nach DIN 31051DIN 31051: Vier Grundmaßnahmen, Dokumentationspflichten nach BetrSichV und Kosten für Audits ab 3.500 Euro netto plus 19 Prozent MwSt. im Überblick.

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