Wartungsplanung

Teil von Wartungsplanung in der Industrie: Schritte, Normen und Software

5 Schritte zur risikobasierten Wartungsplanung nach DIN EN 13306

Risikobasierte Wartungsplanung nach DIN EN 13306: fünf Schritte von der Funktionsanalyse über FMEA und RCM bis zur Beispielrechnung für 8.000 bis 15.000 Euro.

Das Wichtigste auf einen Blick

  • Die risikobasierte Wartungsplanung verknüpft die Ausfallwahrscheinlichkeit mit der Schwere der Folgen.
  • DIN EN 13306 liefert die Begriffe, VDI 2890 die Systematik für die Auswahl der Instandhaltungsstrategie.
  • FMEA und RCM tragen die Bewertung, RCM-Blätter dokumentieren Funktion, Ausfallart und Maßnahme.
  • Eine moderierte RCM-Analyse kostet meist 8.000 bis 15.000 Euro netto, mit 19 % MwSt. 9.520 bis 17.850 Euro brutto.

Warum die Folgen und nicht die Störungshäufigkeit zählen

Ein Lager mit seltenen Ausfällen kann teurer sein als eine Pumpe mit monatlichen Störungen. Entscheidend sind die Folgen: Stillstand der Linie, Nacharbeit, Sicherheitsrisiko, Umweltgefährdung. Deshalb erfasst die risikobasierte Wartungsplanung beide Größen getrennt und verrechnet sie erst danach.

DIN EN 13306 definiert Instandhaltung als Kombination aller technischen und administrativen Maßnahmen über den Lebenszyklus eines Objekts. Wartung ist darin die Maßnahme, welche die Abnutzung verzögert, den Zustand also erhält, statt ihn wiederherzustellen. Risikobasierte Intervalle verschieben Aufwand dorthin, wo ein Versagen die Produktion trifft.

Gesetzlich hinterlegt ist das in der Betriebssicherheitsverordnung, die eine Gefährdungsbeurteilung für Arbeitsmittel und Prüfungen vor Inbetriebnahme verlangt. Für sicherheitstechnische Prüffristen liefert die DGUV Vorschriften, Regeln und Informationen die Konkretisierung.

Die fünf Schritte der Risikobewertung

  1. Bewertungsobjekt und Funktion festlegen: die Anlage in Baugruppen gliedern, für die sich ein Ausfallgrund beschreiben lässt.
  2. Funktionsversagen und Ausfallart bestimmen: Welche Ursache verhindert, dass die geforderte Funktion erfüllt wird?
  3. Ausfallfolgen bewerten: Sicherheit, Umwelt, Qualität, Liefertreue und Instandsetzungskosten je Ausfallart einstufen.
  4. Risiko priorisieren: Ausfallwahrscheinlichkeit und Ausfallfolge zu einer Kennzahl verrechnen, etwa zur Risikoprioritätszahl.
  5. Maßnahmen, Wartungsart und Intervall festlegen, umsetzen und die Wirkung messen.

Schritt 3 und 4 brauchen eine Skala, die alle Beteiligten gleich verstehen. Üblich sind fünf Stufen für die Wahrscheinlichkeit und fünf für die Auswirkung, aus deren Produkt die Risikoprioritätszahl entsteht. Die Schwellenwerte legt der Betrieb fest, bevor die erste Bewertung startet.

Vor dem ersten Workshop lohnt eine Kritikalitätsanalyse des Anlagenparks. Anlagen mit hohem Ausfallfolgenindex werden zuerst bewertet, sodass der Aufwand im Verhältnis zum Nutzen bleibt.

FMEA, RCM und RCM-Blätter richtig einsetzen

Die FMEA arbeitet von der Ausfallart zur Folge und passt, wenn Bauteile und Prozessschritte bekannt sind. RCM arbeitet von der Funktion aus und fragt, ob ein Ausfall überhaupt bemerkt wird und welche Folge er hat. In der Praxis liefert die FMEA die Ausfallarten, RCM entscheidet über die wirtschaftlich sinnvolle Wartungsart.

Ein RCM-Blatt hält sieben Angaben je Funktion fest: Funktion, Funktionsversagen, Ausfallart, Ausfallfolge, Ausfallartengruppe, Maßnahme und Intervall. Diese Blätter sind die Grundlage der Prüfpläne und gehören in ein Wartungsprogramm, damit Intervalle versioniert bleiben. Systeme wie die Maximo Application Suite verwalten die Zuordnung von Objekt, Ausfallart und Wartungsposition.

RCM trennt offensichtliche von versteckten Ausfällen. Versteckte Ausfälle zeigen sich erst, wenn eine Schutzfunktion im Ernstfall versagt; sie erhalten eigene Maßnahmen, meist Funktionsprüfungen in festen Intervallen. Diese Trennung erklärt, warum sich risikobasierte Pläne von Erfahrungsintervallen unterscheiden.

Was eine RCM-Analyse kostet

Beispielrechnung: Für eine Linie mit rund 40 Funktionen veranschlagen Ingenieurdienstleister für die Moderation einer RCM-Analyse meist 8.000 bis 15.000 Euro netto. Mit 19 % Umsatzsteuer sind das 9.520 bis 17.850 Euro brutto. Dazu kommen interne Aufwände von zwei bis vier Personen über mehrere Workshop-Tage.

Diesen Kosten stehen Ausfallkosten gegenüber. Ein ungeplanter Stillstand von acht Stunden bei 12.000 Euro entgangenem Deckungsbeitrag je Stunde kostet 96.000 Euro. Eine einzige vermiedene Störung dieser Größenordnung trägt die Analyse. VDI 2890 ordnet solche Rechnungen in die systematische Auswahl der Instandhaltungsstrategie ein.

Häufige Fragen

Welche Normen gelten für die Bewertung?

DIN EN 13306 klärt die Begriffe und die Instandhaltungsarten. VDI 2890 beschreibt die Auswahl der Strategie, IEC 60300-3-11 das Vorgehen bei RCM, DIN EN 60812 die FMEA.

Wie viele Funktionen schafft ein Workshop?

Praktikabel sind 30 bis 50 Funktionen je Workshop. Bei großen Anlagenparks wird vorher nach Anlagenklassen und Kritikalität gestaffelt.

Wer sollte die Analyse moderieren?

Ein Moderator mit Methodenkenntnis, dazu Instandhalter, Betrieb und Planung. Die Kenntnis der Ausfallarten muss aus dem Betrieb kommen.

Wann wird die Bewertung wiederholt?

Bei Änderungen an der Anlage und sonst mindestens alle zwei bis drei Jahre. Ausfallstatistiken und Zustandsdaten geben Anlass, Wahrscheinlichkeiten anzupassen.

Ersetzt Zustandsüberwachung die Risikobewertung?

Nein. Zustandsüberwachung senkt die Ausfallwahrscheinlichkeit, liefert aber nur Daten für eine Achse der Bewertung. Die Folgen muss der Betrieb selbst einstufen.

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