Wartungsplanung

Teil von Instandhaltung von Anlagen: Strategien, Normen und Kennzahlen

3 Fehler in der Instandhaltung, die Kosten verursachen

Fehler in der Instandhaltung kosten Geld: fehlende Dokumentation, falsche Ersatzteilbevorratung und ignorierte Zustandsdaten mit Beispielrechnungen und Quellen.

Das Wichtigste auf einen Blick

  • Fehlende Dokumentation verlängert Stillstände und erschwert den Nachweis geforderter Prüfungen.
  • Falsch bevorratete Ersatzteile binden Kapital oder erzwingen Notbeschaffungen ab 5.000 Euro netto.
  • Ignorierte Zustandsdaten kosten 10.000 Euro und mehr pro Ausfallstunde.
  • Erfolgskontrolle über drei Zahlen: Ausfallstunden, Lagerreichweite, Anteil zustandsbasierter Aufträge.

Fehler 1: Fehlende Dokumentation

Ohne Wartungshistorie, Prüfprotokolle und Anlagenstammdaten fehlt jede Planungsgrundlage. Welche Prüfungen Pflicht sind und wie sie dokumentiert werden, steht in den Regeln der BetrSichV zu Prüfung und Instandhaltung. Fehlt der Nachweis, drohen Nachprüfungen, Auflagen und Stilllegungen.

Im Tagesgeschäft wirkt der Fehler kleiner, aber messbar: Die Fremdfirma sucht Einbauort und Ersatzteil, der Monteur rekonstruiert die letzte Reparatur. Zwei zusätzliche Arbeitsstunden zu 90 Euro ergeben 180 Euro netto. Verzögert sich dadurch der Anlauf, zählt jede Stunde mit dem vollen Ausfallbetrag.

Der Aufwand für saubere Dokumentation liegt bei wenigen Minuten je Auftrag. Anlagenkennzeichnung, Wartungsberichte und Prüffristen gehören in ein System, das auch der nächste Dienstleister ohne Rückfragen liest.

Fehler 2: Falsche Ersatzteilbevorratung

Zwei Extreme kosten Geld. Ein Lager ohne kritische Teile erzwingt Notbeschaffungen mit Expresszuschlag, Sonderanfertigung und Umrüstung. Beispielrechnung: 5.000 Euro Teilepreis netto, 19 Prozent Umsatzsteuer, also 5.950 Euro brutto, dazu Montage und Ausfallzeit. Ein Lager mit allen Teilen bindet Kapital, Regalfläche und Inventuraufwand.

Rechenbeispiel: Ein Teil im Wert von 2.000 Euro liegt drei Jahre im Regal. Bei einer Lagerkostenquote von 20 Prozent pro Jahr entstehen 1.200 Euro netto, bevor das Teil einmal eingebaut wird.

Die Einteilung nach Kritikalität und Verbrauch bringt Ordnung. A-Teile mit hohem Verbrauch und kurzer Lieferzeit brauchen wenig Bestand. Teile mit langer Lieferzeit und hohem Ausfallrisiko brauchen Mindestbestand oder eine vertraglich zugesicherte Lieferzeit.

Fehler 3: Ignorierte Zustandsdaten

Schwingungsmessung, Temperatur und Ölanalyse zeigen Verschleiß, bevor die Anlage steht. Systeme zur Zustandsüberwachung mit Schwingungsmessung liefern Grenzwertverletzungen und Trends. Wer Daten sammelt und nicht handelt, zahlt doppelt: für die Sensorik und für den Ausfall.

Rechenbeispiel: Ein beginnender Lagerschaden am Getriebe ist zwei Wochen vorher sichtbar. Geplant kostet die Reparatur ein Wartungsfenster von vier Stunden. Ignoriert reißt der Schaden die Kupplung mit, der Stillstand dauert länger, und jede Stunde kostet 10.000 Euro netto.

Typische Fehler sind fehlende Grenzwerte, Messungen nur im Stillstand und Messpunkte ohne Zuordnung zur Anlage.

Drei Kennzahlen für die Erfolgskontrolle

  • Ausfallstunden je Anlage und Jahr, gezogen aus der Störungsdokumentation.
  • Lagerreichweite in Tagen für jedes A-Teil.
  • Anteil der Aufträge, die aus Zustandsdaten entstehen.

Diese drei Größen lassen sich monatlich aus Wartungsprogrammen ziehen. Steigt die Lagerreichweite bei sinkender Teileverfügbarkeit, ist die Bevorratung falsch sortiert. Fallen die Ausfallstunden, während Notbeschaffungen zunehmen, wurde nur das Symptom verschoben.

Rechenbeispiel: Kosten der drei Fehler je Vorfall

Die Beispielrechnung rechnet je Vorfall, netto, mit 19 Prozent Umsatzsteuer.

Fehler Kosten netto Umsatzsteuer 19 % Brutto
Fehlende Dokumentation 180 Euro (2 Arbeitsstunden) 34,20 Euro 214,20 Euro
Notbeschaffung 5.000 Euro 950 Euro 5.950 Euro
Ungeplanter Ausfall 10.000 Euro pro Stunde 1.900 Euro 11.900 Euro

Bezogen auf ein Jahr mit zwölf ungeplanten Stillständen von je zwei Stunden summiert sich der dritte Posten auf 240.000 Euro netto. Die Posten überlagern sich in der Praxis: Ein fehlendes Ersatzteil verursacht Teilepreis und Ausfallstunden gleichzeitig. Wer beide Größen getrennt ausweist, sieht, ob sich Mindestbestand oder Sensorik rechnet.

Das Statistische Bundesamt führt Investitionen und Instandhaltungsaufwendungen im Verarbeitenden Gewerbe und damit eine Vergleichsbasis für den eigenen Anlagenbestand. Verbände wie der VDMA bieten zusätzlich Betriebsvergleiche zur Instandhaltung an.

Häufige Fragen

Was kostet eine ungeplante Ausfallstunde?

Einen Pauschalwert gibt es nicht. Die Beispielrechnung setzt 10.000 Euro netto pro Stunde an, das sind 11.900 Euro brutto. Für die eigene Anlage zählen entgangener Deckungsbeitrag, Nacharbeit und Rüstzeit.

Wie oft müssen Arbeitsmittel nach BetrSichV geprüft werden?

Die BetrSichV nennt keine pauschalen Fristen. Prüffristen ergeben sich aus der Gefährdungsbeurteilung, dazu kommen Angaben des Herstellers. Ergebnisse gehören dokumentiert, sonst fehlt der Nachweis bei der Begehung.

Wann rechnet sich Zustandsüberwachung?

Bei Anlagen mit hohen Ausfallkosten und ausreichender Vorwarnzeit, etwa Getriebe, Pumpen und Ventilatoren. Bei unkritischen Aggregaten ist die Sichtprüfung günstiger. Die Entscheidung folgt der Kritikalitätsanalyse, nicht dem Angebot.

Wie viele Ersatzteile sind wirtschaftlich?

So viele, dass die Lieferzeit kritischer Teile die geplante Wiederinbetriebnahme nicht überschreitet. Teile ohne Ausfallfolgen werden nicht bevorratet. Eine Kritikalitätsmatrix mit Verbrauch, Lieferzeit und Ausfallfolge liefert die Grenze.

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