Wartungsplanung

Wartungsprogramme für Instandhaltung im Vergleich

Wartungsprogramme im Vergleich: SAP PM, IBM Maximo, Mainsim, Siveco und HxGN EAM mit Funktionen, Normbezug nach DIN EN 13306 und Lizenzkosten 50 bis 200 Euro netto.

Das Wichtigste auf einen Blick

  • Fünf Programme stehen im Vergleich: SAP PM, IBM Maximo, Mainsim, Siveco und HxGN EAM.
  • Marktübliche Lizenzkosten liegen bei 50 bis 200 Euro pro Nutzer und Monat netto, für 25 Nutzer sind das 15.000 bis 60.000 Euro netto pro Jahr.
  • Die DIN EN 13306 definiert die Begriffe der Instandhaltung, Wartungsprogramme müssen sie in Masken und Auswertungen abbilden.
  • SAP PM und IBM Maximo punkten bei Integration und Zustandsüberwachung, Mainsim und Siveco bei der Einführungszeit.
  • HxGN EAM verbindet Wartungsplanung mit Arbeitssicherheit und Materialwirtschaft.

Wovon der Vergleich ausgeht: fünf Kriterien

Fünf Wartungsprogramme lassen sich nur mit gemeinsamen Maßstäben vergleichen. Dieser Vergleich prüft Funktionsumfang, Normbezug, Betriebsmodell, Lizenzkosten und Integration für alle fünf Produkte in derselben Reihenfolge. Grundlage sind öffentlich zugängliche Anbieterangaben und die Begriffe der Normung.

Der Funktionsumfang umfasst Anlagenstammdaten, Wartungspläne, Auftragssteuerung, Ersatzteilwirtschaft und Auswertungen. Instandhaltungsleiter prüfen, welche dieser Bausteine im Standard enthalten sind. Ein Liegenschaftsbetrieb setzt andere Schwerpunkte als ein Chemiewerk, deshalb wird für jedes Produkt die typische Zielgruppe benannt.

Der Normbezug richtet sich auf die DIN EN 13306. Die Norm legt Begriffe der Instandhaltung fest, darunter Wartung, Inspektion und Instandsetzung. Ein Programm muss diese Begriffe in Auftragsarten und Berichten wiederfinden lassen. Wie Normen entstehen und gepflegt werden, beschreibt das DIN in seinem Überblick über Normen und Standards.

Das Betriebsmodell entscheidet über den laufenden Aufwand. Cloud-Abonnements verlagern Serverbetrieb, Updates und Datensicherung zum Anbieter. On-Premise-Installationen bleiben im eigenen Rechenzentrum und in eigener Verantwortung. Bei SAP PM und IBM Maximo sind beide Wege üblich, Mainsim tritt vor allem als Cloud-Dienst auf.

Lizenzkosten stehen selten auf öffentlichen Preisseiten. Der Vergleich rechnet deshalb mit einer Spanne von 50 bis 200 Euro pro Nutzer und Monat netto. Diese Spanne ist eine Annahme für die Beispielrechnung weiter unten, kein Angebotspreis eines Herstellers.

Die Integration klärt, welche Systeme angebunden werden: ERP, Leitstand, Ersatzteillager und Dokumentenablage. Fehlt die Anbindung, entstehen doppelte Datenpflege und fehlerhafte Bestände. Bei verteilten Standorten zählt zusätzlich, ob mehrere Sprachen und Währungen unterstützt werden.

Die fünf Wartungsprogramme im Einzelnen

SAP PM: Wartung im SAP-Verbund

SAP PM steht für Plant Maintenance und heißt in aktuellen Releases SAP S/4HANA Asset Management. Technische Plätze, Equipment, Meldungen, Instandhaltungsaufträge und Wartungspläne gehören zum Standard. Messpunkte und Zähler bilden zustandsorientierte Wartung ab. Aufgabenlisten und Wartungsstrategien lassen sich je Anlagentyp hinterlegen.

Die Stärke liegt in der Durchgängigkeit. Materialentnahme, Rückmeldung und Instandhaltungskosten laufen im selben System wie Buchhaltung, Beschaffung und Anlagenbuchhaltung. Wer SAP bereits betreibt, spart Schnittstellen und den Aufwand für ein zweites Werkzeug. Auch die Auswertung nach Kostenstellen ist ohne Zusatzwerkzeug möglich.

Die Schwäche ist der Projektaufwand. Customizing, Stammdatenpflege und Berechtigungskonzept binden Personal über Monate. Für ein kleines Team ohne SAP-Kern ist der Einstieg teuer, weil Lizenzen und Beratung zusammenkommen.

Lizenziert wird über SAP-Verträge mit Funktions- oder Namenslizenzen. Diese liegen meist oberhalb der einfachen CMMS-Spanne. Der Betrieb ist in der Cloud oder im eigenen Rechenzentrum möglich.

IBM Maximo: Anlagenmanagement mit Zustandsdaten

IBM führt das Produkt heute als Maximo Application Suite. Darin bündelt der Anbieter Anwendungen für Anlagenmanagement, Zustandsüberwachung und vorausschauende Wartung. Der Kern Manage verwaltet Anlagen, Standorte, Wartungspläne und Arbeitsaufträge.

Zum Funktionsumfang gehören außerdem Serviceanfragen, Ersatzteilbestände, Beschaffung und Vertragsverwaltung. Sensordaten fließen über Monitor ein. Health und Predict berechnen Ausfallwahrscheinlichkeiten und leiten Prioritäten für die Planung ab.

Der Betrieb läuft in der IBM Cloud auf Red Hat OpenShift, eine Installation vor Ort bleibt möglich. Lizenziert wird über App Points, ein Modell, das genutzte Anwendungen und Nutzerrollen zusammenrechnet. Für Gelegenheitsnutzer ist das günstiger als für Planer mit Vollzugriff.

Die Zielgruppe sind Branchen mit wertvollen oder verteilten Anlagen: Energieversorgung, Wasserwirtschaft, Schienenverkehr und Produktion. Dort zählt weniger der Preis pro Arbeitsplatz als die Verfügbarkeit der Anlage.

Mainsim: Cloud-CMMS für den schnellen Einstieg

Mainsim ist ein cloudbasiertes CMMS für kleine und mittlere Instandhaltungsteams. Das Anlagenverzeichnis entsteht per Tabellenimport, Anlagen erhalten QR-Codes für den mobilen Zugriff. Arbeitsaufträge, vorbeugende Wartungspläne, Ersatzteilbestände und Meldungen sind die Kernfunktionen.

Die Einführung ist bewusst einfach gehalten. Nutzer arbeiten im Browser oder auf dem Smartphone, ein eigener Server entfällt, Updates kommen aus der Cloud. Für Gebäudetechnik, Handwerksbetriebe und Standortverwaltungen ist das ein realistischer Einstieg mit überschaubaren Lizenzkosten.

Grenzen zeigen sich bei tiefen ERP-Anbindungen, mehrstufigen Freigabeprozessen und komplexen Instandhaltungsstrategien. Wer Konzernstrukturen oder mehrere Produktionswerke mit eigenen Prozessen abbilden muss, stößt an die Grenzen des Modells.

Für den Vergleich zählt die Zeit bis zum Nutzen. Ein Team kann Pläne und Anlagen in wenigen Wochen produktiv führen, ohne ein IT-Projekt aufzusetzen.

Siveco: CMMS mit Planungsfokus

Siveco Group entwickelt CMMS-Lösungen für Instandhaltung und Anlagenmanagement. Auf der Anbieterseite von Siveco stehen Instandhaltungsplanung und Wartungsprogramme im Mittelpunkt der beschriebenen Funktionen. Das Produkt Coswin 8i verwaltet Anlagen, Pläne, Aufträge, Ersatzteile und Dokumente.

Die Ausrichtung liegt auf Industrie und Infrastruktur mit gewachsenen Anlagenbeständen. Einführung, Beratung und Datenaufbereitung gehören zum Leistungsumfang. Das verlangsamt den Start, sichert aber die Stammdatenqualität, auf der alle Auswertungen beruhen.

Für den Vergleich wichtig: Der Anbieter greift Begriffe der Instandhaltungspraxis auf und verwaltet nicht nur Störungstickets. Wartungsprogramme, Planungshorizonte und Ersatzteilbedarf hängen im selben Datenmodell zusammen.

Der Betrieb ist in der Cloud und in eigener Umgebung möglich. Die Lizenzkosten bewegen sich im mittleren bis oberen Bereich der angenommenen Spanne, abhängig von Modulen und Nutzerzahl.

HxGN EAM: Wartung und Arbeitssicherheit zusammen

HxGN EAM stammt aus dem früheren Infor EAM und gehört heute zu Hexagon. Das Programm verwaltet Anlagenregister, Wartungspläne, Arbeitsaufträge, Ersatzteile und Beschaffung. Ein Modul für Arbeitsgenehmigungen und Sicherheitsunterweisungen ergänzt die Wartungsfunktionen.

Die Verbindung von Wartung und Arbeitssicherheit in einem Datenmodell unterscheidet das Produkt von reinen CMMS-Anwendungen. Wer Arbeiten an Gas-, Wasser- oder Stromnetzen plant, muss Freigaben, Sperrungen und Unterweisungen dokumentieren. Beides liegt hier in derselben Anwendung.

Der Betrieb ist als Cloud-Dienst und in eigener Umgebung möglich. Zielgruppen sind Versorgungsunternehmen, Verkehrsbetriebe, Behörden und Produktionsstandorte mit verteilten Anlagen. Berichtswesen und Schnittstellen zu Geoinformationssystemen gehören zum Lieferumfang.

Für die Auswahl zählt, ob das Sicherheitsmodul gebraucht wird. Ohne diesen Bedarf zahlen Anwender für Funktionen, die ein schlankeres CMMS günstiger abdeckt.

Vergleichstabelle: Funktionen und Betrieb

Merkmal SAP PM IBM Maximo Mainsim Siveco HxGN EAM
Betrieb Cloud, On-Premise Cloud, On-Premise Cloud Cloud, On-Premise Cloud, On-Premise
Wartungsplanung Pläne je technischem Platz Pläne je Anlage und Standort Zeit- und Zählerpläne Zeit- und Zählerpläne Pläne und Routen
Zustandsüberwachung Messpunkte, Zähler Sensorik, Predictive Grundfunktionen je Modul Sensorik, Schnittstellen
Ersatzteile über SAP MM enthalten enthalten enthalten enthalten
Arbeitssicherheit über Zusatzmodule Zusatzmodule kein Schwerpunkt Zusatzmodule integriert
Typische Zielgruppe SAP-Kunden, Konzerne Energie, Wasser, Verkehr KMU, Gebäudetechnik Industrie, Infrastruktur Versorger, Behörden
DIN EN 13306 Begriffe abbildbar Begriffe abbildbar Begriffe abbildbar Begriffe abbildbar Begriffe abbildbar

Die Tabelle fasst die öffentlich beschriebenen Eigenschaften zusammen. Die Zeile zur DIN EN 13306 sagt nur, dass sich die Begriffe der Norm in Auftragsarten und Berichten abbilden lassen. Eine Zertifizierung nach dieser Norm gibt es nicht, weil sie Begriffe und keine Produktanforderungen regelt.

Lizenzkosten: Spannen und eine Beispielrechnung

Listenpreise nennen die Anbieter selten öffentlich. Für den Vergleich dient eine Spanne von 50 bis 200 Euro pro Nutzer und Monat netto. Der Wert ist eine Annahme, abgeleitet aus marktüblichen Abonnements für Wartungssoftware. Der tatsächliche Preis hängt von Nutzerzahl, Modulen, Laufzeit und Vertragsverhandlung ab.

Die folgende Beispielrechnung unterstellt 25 Nutzer mit Vollzugang. Sie ist ein Rechenmodell und kein Angebot. Die Beträge sind netto angegeben, die Mehrwertsteuer von 19 Prozent wird getrennt ausgewiesen.

  • Untere Spanne: 25 Nutzer mal 50 Euro ergeben 1.250 Euro netto pro Monat, 15.000 Euro netto pro Jahr und 17.850 Euro brutto pro Jahr.
  • Mittlere Spanne: 25 Nutzer mal 125 Euro ergeben 3.125 Euro netto pro Monat, 37.500 Euro netto pro Jahr und 44.625 Euro brutto pro Jahr.
  • Obere Spanne: 25 Nutzer mal 200 Euro ergeben 5.000 Euro netto pro Monat, 60.000 Euro netto pro Jahr und 71.400 Euro brutto pro Jahr.

Zu den Lizenzkosten kommen Einmalkosten für Einführung, Datenmigration, Schnittstellen und Schulung. Bei SAP PM und IBM Maximo fallen sie wegen Konfiguration und Integration höher aus als bei Cloud-CMMS mit Standardprozessen. Support und Updates sind im Abonnement meist enthalten, bei On-Premise dagegen separat zu kalkulieren.

Auch der Betriebsaufwand im eigenen Haus gehört in die Rechnung. Ein On-Premise-System bindet Datenbankadministration, Updates und Sicherheitspatches. Ein Cloud-Dienst verlagert diese Aufgaben zum Anbieter, verlangt aber eine Prüfung der Datenhaltung und der Vertragsbedingungen.

Einführung in fünf Schritten

  1. Anlagenstruktur festlegen: Technische Plätze, Anlagenhierarchie und Nummernkreise so aufbauen, dass sie zu Buchhaltung und Ersatzteillager passen.
  2. Wartungsstrategie je Anlage bestimmen: vorbeugend nach Zeit oder Zähler, zustandsorientiert nach Messwerten oder ausfallbasiert nach Störung.
  3. Prüfpflichten überführen: Fristen aus Verordnung und Herstellerangaben als Wartungspläne mit Verantwortlichem und Nachweis anlegen.
  4. Stammdaten migrieren und bereinigen: Ersatzteillisten, Dokumente und Historie prüfen und Dubletten entfernen, bevor das System produktiv geht.
  5. Pilot starten und Kennzahlen messen: eine Anlagengruppe auswählen und Planungstreue, Ausfallzeit sowie Reaktionszeit vor und nach dem Start vergleichen.

Die Schritte gelten unabhängig vom gewählten Produkt. Sie entscheiden stärker über den Nutzen als einzelne Softwarefunktionen, weil schlechte Stammdaten jedes Wartungsprogramm entwerten.

Normkonformität und Betreiberpflichten

Die DIN EN 13306 ist eine Begriffsnorm. Sie unterscheidet vorbeugende und korrektive Instandhaltung sowie Wartung, Inspektion und Instandsetzung. Ein Wartungsprogramm wird durch diese Norm nicht zertifiziert. Es hilft aber, die Begriffe einheitlich zu verwenden und Auswertungen danach zu schneiden.

Die DIN 31051 beschreibt die Grundmaßnahmen der Instandhaltung und dient in Deutschland weiterhin als Ordnungsrahmen. Beide Normen betreffen Sprache und Struktur der Instandhaltung, nicht die Softwarearchitektur. Anbieter, die mit Normkonformität werben, sollten deshalb benennen, welche Norm und welcher Abschnitt gemeint ist.

Pflichten ergeben sich aus der Betriebssicherheitsverordnung. Sie verlangt, Arbeitsmittel instand zu halten, erforderliche Prüfungen durchzuführen und Mängel zu dokumentieren. Prüfungen dürfen nur befähigte Personen durchführen. Wartungsprogramme liefern dafür Fristenkalender, Prüfprotokolle und Historie.

Für den Arbeitsschutz gibt es eigene Normenausschüsse. Das DIN beschreibt unter Arbeitsschutz in der Normung, welche Themen dort bearbeitet werden, von Schutzausrüstung bis zur Maschinensicherheit.

Häufige Fragen

Welches Wartungsprogramm passt zu einem mittelständischen Betrieb?

Für kleine und mittlere Teams sind Cloud-CMMS wie Mainsim meist der schnellste Einstieg. Wer SAP bereits einsetzt oder Konzernprozesse abbildet, prüft SAP PM. Steht die Verbindung von Wartung und Arbeitssicherheit im Vordergrund, kommt HxGN EAM in Frage.

Was kostet ein Wartungsprogramm für 25 Nutzer?

Bei 50 bis 200 Euro pro Nutzer und Monat netto liegen die Lizenzkosten zwischen 15.000 und 60.000 Euro netto pro Jahr. Mit 19 Prozent Mehrwertsteuer sind das 17.850 bis 71.400 Euro brutto pro Jahr. Einmalkosten für Einführung und Schulung kommen hinzu.

Macht ein Wartungsprogramm ein Unternehmen normkonform?

Nein. Die DIN EN 13306 regelt Begriffe, die Betriebssicherheitsverordnung regelt Pflichten des Betreibers. Software dokumentiert Fristen und Prüfungen. Sie ersetzt weder befähigte Personen noch organisatorische Abläufe.

Wie lange dauert die Einführung?

Das hängt von Anlagenzahl und Datenqualität ab. Cloud-CMMS gehen nach wenigen Wochen in den Pilotbetrieb. SAP PM und IBM Maximo brauchen wegen Konfiguration und Integration mehrere Monate.

Kann man SAP PM ohne SAP-ERP betreiben?

SAP PM ist Teil des SAP-Systems und wird mit diesem betrieben. Ein isolierter Einsatz ohne ERP-Kern ist nicht vorgesehen. Wer kein SAP einsetzt, wählt üblicherweise ein eigenständiges CMMS.

In diesem Leitfaden

  1. Wartungssoftware SAP PM oder Instandhaltungssoftware im VergleichWartungssoftware im Vergleich: SAP PM gegen Mainsim, Siveco und HxGN EAM, mit Lizenzkosten in Euro, Funktionsumfang und typischer Einführungsdauer.
  2. Ratgeber zur Einführung von WartungsprogrammenWartungsprogramme einführen: Phasenplan, Systeme und Dienstleister im Vergleich, Kosten von 10.000 bis 30.000 Euro netto plus 19 Prozent Mehrwertsteuer.
  3. Servicedienstleister für Wartungsprogramme in DeutschlandServicedienstleister für Wartungsprogramme: Bilfinger, FERCHAU und Bertrandt, Leistungen und Tagessätze von 800 bis 1.200 Euro netto pro Beratertag.

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