Wartungsplanung
Teil von Instandhaltung von Anlagen: Strategien, Normen und Kennzahlen
Instandhaltungsstrategien vorbeugend oder zustandsbasiert im Vergleich
Vorbeugende, zustandsbasierte und vorausschauende Instandhaltung im Vergleich: Kriterien, Kosten, DIN EN 13306, VDI 2890 und Anbieter von Zustandsüberwachung.
Das Wichtigste auf einen Blick
- Vorbeugende Instandhaltung arbeitet mit festen Intervallen, zustandsbasierte mit Messwerten.
- DIN EN 13306 legt die Begriffe fest, VDI 2890 beschreibt die vorbeugende Instandhaltung.
- Systeme zur Zustandsüberwachung liefern SKF, Schaeffler und PRÜFTECHNIK.
- Eine Beispielrechnung ergibt bei 100.000 Euro Stillstandskosten eine Einsparung von 15.000 Euro netto.
- Die BetrSichV verlangt Prüfungen unabhängig von der gewählten Strategie.
Drei Strategien, klar abgegrenzt
Die DIN EN 13306 definiert Instandhaltung als Kombination aller technischen und administrativen Maßnahmen, die den Zustand eines Objekts erhalten oder wiederherstellen. Daraus leiten sich mehrere Strategien ab, die sich vor allem im Auslöser unterscheiden.
Die vorbeugende Instandhaltung arbeitet mit festen Intervallen. Bauteile werden nach Betriebsstunden, Kalenderwochen oder Zyklen geprüft und getauscht, unabhängig vom tatsächlichen Verschleiß.
Die zustandsbasierte Instandhaltung misst dagegen laufend. Schwingung, Temperatur, Stromaufnahme oder Partikel im Öl zeigen, ob ein Bauteil noch tragfähig ist. Gehandelt wird erst beim Überschreiten eines Schwellenwerts.
Die vorausschauende Instandhaltung schätzt aus dem Verlauf der Messwerte den Zeitpunkt des Ausfalls. Sie braucht Datenhistorie und Modelle, liefert dafür den größten Planungsvorlauf.
Korrektive Instandhaltung bleibt die Rückfallebene. Sie setzt nach dem Ausfall an und ist wirtschaftlich, wenn ein Stillstand keine Folgen hat.
VDI 2890 ordnet die vorbeugende Instandhaltung in ein Stufenmodell ein und beschreibt die Einteilung von Anlagen nach Ausfallfolgen. Die Ansätze schließen sich nicht aus, meist werden sie je Anlagengruppe kombiniert.
Vergleich nach Kosten, Ausfallrisiko und Normkonformität
Beide Ansätze zielen auf Verfügbarkeit, greifen aber zu unterschiedlichen Zeitpunkten ein. Die vorbeugende Variante kennt den Zustand nicht und wechselt auf Verdacht. Die zustandsbasierte Variante wechselt erst bei Bedarf, benötigt dafür Messtechnik und Personal für die Auswertung.
| Kriterium | Vorbeugend | Zustandsbasiert | Vorausschauend |
|---|---|---|---|
| Auslöser | Zeit oder Betriebsstunden | Messwert über Schwellenwert | Prognose aus Trenddaten |
| Ausfallrisiko | Restrisiko zwischen zwei Intervallen | Gering, Zustand ist bekannt | Am geringsten bei guter Datenlage |
| Ersatzteile | Planbar, aber Lagerbindung | Bedarfsnah, kurze Vorlaufzeit | Bedarfsnah, mit Vorlauf |
| Aufwand | Niedrig, kaum Sensorik | Mittel, Sensorik und Auswertung | Hoch, Modelle und Historie |
| Normbezug | DIN EN 13306, VDI 2890 | DIN EN 13306, ISO 17359 | DIN EN 13306 |
Bei den Kosten zählt nicht nur der Ersatzteilpreis. Stillstandskosten, Lagerhaltung und Personal wirken stärker. Eine Rechnung über mehrere Jahre zeigt die Unterschiede deutlicher als ein Vergleich einzelner Positionen.
Anbieter von Zustandsüberwachungssystemen
Systeme für Schwingungsüberwachung kommen unter anderem von SKF, Schaeffler und PRÜFTECHNIK. SKF verbindet Sensoren mit Auswertesoftware und bietet Dienstleistungen zur Zustandsüberwachung mit SKF an. Typische Messgrößen sind Schwingbeschleunigung, Hüllkurve und Temperatur.
Schaeffler vertreibt mit OPTIME ein Funksensor-System, das Schwingungsdaten ohne Verkabelung erfasst und in einer Software bündelt. Die Messtechnik von PRÜFTECHNIK umfasst Handmessgeräte für Routinemessungen und fest installierte Online-Systeme.
Die Systeme unterscheiden sich in der Zahl der Messstellen, der Datenrate und der Anbindung an Leitsysteme. Für wenige kritische Aggregate genügen Handmessgeräte, bei hunderten Antrieben ist eine zentrale Auswertung sinnvoll.
Bei der Auswahl zählen Sensorart, Messintervall, Lizenzmodell und die Frage, ob Daten im eigenen Netz bleiben. Diese Punkte entscheiden über Betriebskosten und Akzeptanz bei den Instandhaltern.
Rechenbeispiel: Stillstandskosten senken
Ein Betrieb rechnet mit 100.000 Euro Stillstandskosten je Jahr, netto. Eine zustandsbasierte Überwachung senkt die ungeplanten Stillstände um 15 Prozent. Die Kosten sinken damit auf 85.000 Euro, die Einsparung beträgt 15.000 Euro netto.
Mit 19 Prozent Umsatzsteuer ergibt sich ein Bruttobetrag von 17.850 Euro. Bei Überwachungskosten von 6.000 Euro netto je Jahr bleibt ein Vorteil von 9.000 Euro netto. Die Rechnung gilt nur, wenn die Überwachungskosten niedriger liegen als die Einsparung.
Rechtliche Pflichten und Normen
Die BetrSichV verlangt, dass Arbeitsmittel instand gehalten und wiederkehrend geprüft werden. Prüffristen ergeben sich aus der Gefährdungsbeurteilung und sind zu dokumentieren. Die Wahl der Strategie ändert daran nichts.
DIN EN 13306 legt die Begriffe fest, VDI 2890 beschreibt die vorbeugende Instandhaltung. Hinzu kommen Regeln zum Arbeitsschutz in der Normung, die bei der Planung von Prüfungen zu berücksichtigen sind.
In fünf Schritten zur passenden Strategie
Die Entscheidung fällt je Anlage, nicht pauschal für den gesamten Betrieb.
- Anlagen nach Ausfallfolgen und Kritikalität klassifizieren.
- Schadensarten und Verschleißverlauf je Baugruppe bestimmen.
- Messgrößen, Schwellenwerte und Messintervalle festlegen.
- Kosten von Intervallwechsel und Überwachung gegenüberstellen.
- Strategie je Anlagengruppe festschreiben und Kennzahlen prüfen.
Häufige Fragen
Ist zustandsbasierte Instandhaltung immer günstiger?
Nein. Sie senkt ungeplante Stillstände, verursacht aber Kosten für Sensorik, Software und Auswertung. Bei geringer Kritikalität bleibt die Intervallstrategie oft wirtschaftlicher.
Welche Normen regeln die Begriffe?
DIN EN 13306 definiert Instandhaltungsarten und Begriffe. VDI 2890 behandelt die vorbeugende Instandhaltung, ISO 17359 die Zustandsüberwachung von Maschinen.
Wann lohnt sich vorausschauende Instandhaltung?
Wenn genügend Messdaten vorliegen und ein Ausfall teuer ist. Sie eignet sich für Hauptaggregate, deren Stillstand Produktion oder Sicherheit beeinträchtigt.
Was verlangt die BetrSichV?
Sie verpflichtet den Arbeitgeber, Arbeitsmittel instand zu halten und Prüfungen mit Fristen festzulegen. Die Ergebnisse sind zu dokumentieren.