Wartungsplanung

Teil von Zustandsüberwachung: Methoden, Sensoren und Normen für Anlagen

Zustandsüberwachung online oder offline im Vergleich

Zustandsüberwachung online oder offline im Vergleich: Kosten, Installationsaufwand und Eignung für Instandhaltungsleiter, mit Anbietern wie Emerson, ABB und Siemens.

Das Wichtigste auf einen Blick

  • Online-Systeme messen dauerhaft mit fest montierten Sensoren und melden Grenzwertüberschreitungen automatisch.
  • Offline-Systeme arbeiten mit tragbaren Messgeräten und wiederkehrenden Messtouren.
  • Online-Systeme kosten je Anlage 5.000 bis 20.000 Euro netto, mit 19 % MwSt. sind es 5.950 bis 23.800 Euro brutto.
  • Emerson, ABB, Siemens, SKF und PRÜFTECHNIK von Fluke decken beide Verfahren ab.
  • Die BetrSichV fordert Prüfung und Instandhaltung, schreibt aber kein Messverfahren vor.

Vergleichskriterien im direkten Gegenüber

Beide Verfahren erfassen Schwingungen, Temperaturen und Prozessgrößen. Unterschiede zeigen sich bei Messdichte, Installationsaufwand und Personalbindung.

Kriterium Online Offline
Messintervall permanent, Raster von Sekunden bis Minuten Tourintervall nach Plan, oft monatlich oder quartalsweise
Sensorik fest montiert, verdrahtet oder per Funk tragbares Gerät mit Wechselaufnehmer
Datenmenge kontinuierliche Zeitreihen mit Trendanalyse Momentaufnahme je Messstelle
Personal Auswertung durch Fachpersonal, wenig Messzeit Messtechniker für jede Tour
Nachrüstung Eingriff in die Anlage, Kabelwege, Schaltschrank kein Eingriff, zugängliche Messstelle genügt
Typischer Einsatz kritische, schlecht zugängliche Aggregate große Flotte mit mittlerem Risiko

Ein Online-System erkennt Schadensverläufe zwischen zwei Messtouren, wie SKF in seiner Darstellung der zustandsbasierten Instandhaltung und Schwingungsüberwachung beschreibt. Offline fehlt dieser Zeitraum, dafür bleibt die Messstelle frei wählbar.

Funkgebundene Sensoren senken den Verkabelungsaufwand, verlangen aber Netzabdeckung und Batteriewechsel. Verdrahtete Systeme gelten als robuster, binden die Messstelle jedoch an den Schaltschrank.

Kosten, Installationsaufwand und Beispielrechnung

Online-Systeme liegen je Anlage zwischen 5.000 und 20.000 Euro netto. Enthalten sind Sensoren, Verkabelung oder Funkgateway, Erfassungseinheit und Auswertesoftware. Lizenzgebühren und Ersatzsensoren kommen später hinzu.

Beispielrechnung: Ein Antriebsstrang erhält acht Schwingungssensoren und ein Gateway. Die Erstinstallation kostet 12.000 Euro netto. Bei 19 % MwSt. fallen 2.280 Euro Steuer an, der Bruttobetrag liegt bei 14.280 Euro. Diese Rechnung enthält keine Softwarewartung und keine Personalkosten.

Offline entfallen Sensorverkabelung und Schaltschrankumbau. Die Investition konzentriert sich auf Messgerät und Software, tragbare Geräte liefert etwa PRÜFTECHNIK mit Messtechnik und Verfahren zur Schwingungs- und Zustandsüberwachung. Laufende Kosten entstehen durch Personalzeit, Kalibrierung und Tourenplanung.

Offline-Messtouren binden Personal regelmäßig, dafür bleibt die Technik mobil und lässt sich auf mehrere Anlagen verteilen. Für die Auswertung lassen sich Dienstleister einbinden. Deren Pauschale hängt von Anlagenzahl und Messstellen ab und ersetzt eigenes Diagnosepersonal nur teilweise.

Wann sich welches Verfahren eignet

Online passt zu Aggregaten, deren Ausfall den Prozess stoppt oder hohe Folgeschäden verursacht. Auch schwer zugängliche Maschinen in explosionsgefährdeten Bereichen oder auf Offshore-Anlagen sprechen dafür.

Offline passt zu großen Flotten mit ähnlichen Maschinen und erreichbaren Messpunkten. Eine Pumpe, ein Ventilator oder ein Getriebe mit mittlerem Risiko lässt sich mit einer Tour wirtschaftlich prüfen.

Die Einstufung folgt der Gefährdungsbeurteilung, die die BetrSichV (Verordnung über Sicherheit und Gesundheitsschutz bei der Verwendung von Arbeitsmitteln) verlangt, nicht dem Budget allein. In der Praxis entsteht meist eine Mischung: Online für kritische Antriebe, Offline für den Rest der Flotte.

Anbieter und Systeme am Markt

Emerson führt mit AMS Machine Works und der CSI-Sensorik ein System für die Permanentüberwachung. ABB kombiniert den Ability Smart Sensor mit Motoren und Antrieben. Siemens verbindet Simatic-Hardware mit Senseye Predictive Maintenance für die Auswertung.

SKF bietet mit Enlight Collect funkbasierte Sensoren und ergänzt sie um Schwingungsdiagnose. PRÜFTECHNIK, Teil der Fluke-Gruppe, deckt beide Seiten ab: VIBSCANNER und VIBXPERT für Offline-Messungen, VIBROWEB für fest installierte Systeme.

Die Systeme reichen von einzelnen Funksensoren bis zu serverbasierter Auswertung mit Dashboards und Schnittstellen zu Leitsystemen.

Rechtliche und normative Vorgaben

Die BetrSichV verlangt Gefährdungsbeurteilung und wiederkehrende Prüfungen der Arbeitsmittel. Prüffristen und Verfahren legt der Betreiber fest. Die Pflicht trifft den Arbeitgeber, unabhängig davon, ob Messdaten automatisch oder per Hand erfasst werden.

Normen wie DIN 31051 und DIN EN 13306 ordnen Instandhaltungsbegriffe und Prüfschritte ein. Welche Rolle Normen im Arbeitsschutz spielen, beschreibt DIN unter Arbeitsschutz in der Normung.

Häufige Fragen

Ab welcher Anlagenzahl rechnet sich ein Online-System?

Eine pauschale Schwelle gibt es nicht. Kritische Einzelaggregate rechtfertigen 5.000 bis 20.000 Euro netto je Anlage, wenn ein Stillstand deutlich teurer wäre. Bei unkritischen Maschinen bleibt Offline günstiger.

Ersetzt Offline-Messtechnik die Online-Überwachung?

Nein. Offline liefert Momentaufnahmen, Online liefert Verläufe. Beide ergänzen sich, vor allem bei langsam wachsenden Schäden.

Welche Anbieter decken beide Verfahren ab?

SKF und PRÜFTECHNIK bieten tragbare Geräte und fest installierte Systeme. Emerson, ABB und Siemens liegen mit ihrem Schwerpunkt bei Online-Lösungen und Auswertesoftware.

Was kostet ein Online-System brutto?

Bei 5.000 Euro netto sind es 5.950 Euro brutto, bei 20.000 Euro netto 23.800 Euro brutto. Der Beispielwert 12.000 Euro netto entspricht 14.280 Euro brutto.

Welche Pflichten nennt die BetrSichV?

Sie fordert Gefährdungsbeurteilung, Prüfung und Instandhaltung von Arbeitsmitteln. Fristen und Verfahren legt der Betreiber anhand der Gefährdung fest.

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