ABC-Analyse und Mindestbestand für Ersatzteile im Lager
Bild: Wartungsfundus

Ersatzteile

Teil von Ersatzteile für Industrieanlagen: Beschaffung, Lagerung und Kennzeichnung

Welche Ersatzteile sollten bevorratet werden?

Ersatzteile bevorraten: Kriterien, ABC-Analyse nach VDI 2890, konkrete Teile wie Rillenkugellager 6205-2RS und Beispielwerte für Mindestbestände in Euro.

Das Wichtigste auf einen Blick

  • Rillenkugellager 6205-2RS, Radialwellendichtringe nach DIN 3760 und Keilriemen SPZ 1400 zählen zu den typischen Verschleißteilen im Lager.
  • Frequenzumrichter, Getriebe und SPS-Baugruppen nur bei langer Beschaffungszeit bevorraten.
  • Bewertet wird nach Ausfallhäufigkeit, Beschaffungszeit und Kosten, geordnet über die ABC-Analyse.
  • Für kritische Teile sind Mindestbestände ab etwa 5.000 Euro netto ein Beispielwert, das sind 5.950 Euro brutto bei 19 Prozent Umsatzsteuer.
  • VDI 2890 liefert den Planungsrahmen, die eigene Ausfallhistorie die Zahlen.

Diese Ersatzteile gehören ins Lager

Ersatzteile bevorraten heißt auswählen, nicht horten. Die folgenden Positionen finden sich in den Lagern vieler Betriebe.

Auf der Wälzlagerseite sind es Rillenkugellager der Baugrößen 6205, 6206 und 6308 in der abgedichteten Ausführung 2RS. Dazu kommen Radialwellendichtringe nach DIN 3760 in Größen wie 35 x 52 x 7 Millimeter, O-Ringe aus NBR und Passfedern nach DIN 6885.

Auf der Antriebsseite gilt dasselbe für Keilriemen SPZ 1400 und Keilrippenriemen, die im Jahresrhythmus getauscht werden. Verbindungselemente wie Zylinderschrauben DIN 912 in M6, M8 und M10, Sechskantmuttern DIN 934 und Sicherungsringe DIN 471 decken viele Kleinreparaturen ab.

In der Fluidtechnik sind es Kugelhähne DN 25 und DN 50, Magnetventile mit 24-Volt-Spule, Druckschalter und Dichtungssätze für Kreiselpumpen. Elektroseitig lohnen Schaltschütze, Motorschutzschalter, Feinsicherungen 5 x 20 Millimeter, Näherungsschalter M12 und Steckrelais.

Filter und Schmierstoffe sind Verbrauchsmaterial: Hydraulikölfilter, Luftfilter, Ölabscheider sowie Lithiumseifenfett und Getriebeöl in passenden Gebindegrößen.

Nicht ins Lager gehören teure Einzelstücke mit kurzer Lieferzeit. Frequenzumrichter, Servomotoren, komplette Getriebe, SPS-CPU-Module und Sondermaschinenbauteile beschafft man über Rahmenverträge günstiger, als sie auf Vorrat zu halten.

Rechtlicher Rahmen und drei Bewertungskriterien

Instandhaltung ist keine freiwillige Aufgabe. Die Betriebssicherheitsverordnung (BetrSichV) verpflichtet Arbeitgeber, Arbeitsmittel instand zu halten und wiederkehrend prüfen zu lassen. Eine belastbare Ersatzteilbevorratung sichert diese Pflicht organisatorisch ab.

Wie viel Lager richtig ist, entscheiden drei Kriterien.

Die Ausfallhäufigkeit stammt aus der eigenen Instandhaltungshistorie. Prüfen Sie, wie oft ein Bauteil in den vergangenen 24 Monaten ausgefallen ist. Ein Rillenkugellager im Dauerbetrieb fällt anders aus als ein Reservegetriebe, das nie montiert wird.

Die Beschaffungszeit umfasst Lieferzeit, Transport und Zollabwicklung. Ein Getriebe aus Übersee kann acht bis zwölf Wochen brauchen. Bei langer Wiederbeschaffungszeit entscheidet der Bestand darüber, ob die Anlage steht oder läuft.

Bei den Kosten zählen beide Seiten: Kapitalbindung und Lagerhaltung auf der einen, Stillstandskosten auf der anderen. Eine Stunde Ausfall kostet je nach Anlage vier- bis fünfstellige Beträge. Das Statistische Bundesamt erhebt Daten zu Produktionsanlagen und Instandhaltungsaufwendungen im Verarbeitenden Gewerbe.

ABC-Analyse: drei Klassen, drei Strategien

Die ABC-Analyse ordnet Ersatzteile nach ihrem Anteil am Lagerwert. Als Rahmen für Vorgehen und Kennzahlen dient die VDI-Richtlinie 2890.

Klasse Anteil am Lagerwert Typische Teile Bevorratung
A 70 bis 80 Prozent Frequenzumrichter, Getriebe, Servomotor nur kritische Teile lagern, sonst Rahmenvertrag
B etwa 15 Prozent Kreiselpumpen, Kugelhähne, Druckschalter Meldebestand, mittlere Bestandshöhe
C 5 bis 10 Prozent Rillenkugellager 6205-2RS, O-Ringe, Schrauben DIN 912 hoher Bestand, Sammelbestellung

Entscheidend ist die zweite Achse, die Kritikalität. Ein teurer Frequenzumrichter mit kurzer Lieferzeit kann ohne Lager auskommen. Ein O-Ring für wenige Cent, dessen Ausfall eine Linie stoppt, gehört trotzdem in den Mindestbestand.

Mindestbestand in fünf Schritten

  1. Verbrauch und Ausfälle der letzten 24 Monate je Teil auswerten.
  2. Wiederbeschaffungszeit je Teil und Lieferant erfassen.
  3. Stillstandskosten der zugehörigen Anlage schätzen.
  4. Mindestbestand und Meldebestand im ERP hinterlegen.
  5. Bestände jährlich prüfen und an geänderte Lieferzeiten anpassen.

Beispielrechnung: Mindestbestand in Euro

Für kritische A-Teile setzen viele Betriebe einen Mindestbestand von 5.000 Euro netto an. Bei 19 Prozent Umsatzsteuer entspricht das 5.950 Euro brutto. Fallen Stillstandskosten von 2.500 Euro netto je Stunde an, deckt dieser Betrag rechnerisch zwei Stunden Ausfall ab. Der Wert ist ein Beispiel und je Anlage anzupassen.

Für C-Teile genügt häufig ein Pauschalbestand. 800 Euro netto entsprechen 952 Euro brutto und decken Schrauben, O-Ringe und Filter über viele Monate.

Identifikation und Beschaffungswege

Vor jeder Bestellung steht die eindeutige Identifikation des Teils. SKF beschreibt Original- und Nachbau-Ersatzteile und die Merkmale, an denen sich beide Varianten unterscheiden lassen. Falsch bestellte Lager liegen lange im Regal, bevor das auffällt.

Rahmenverträge mit festen Preisen senken den Aufwand für viele Kleinteile. Prüfen Sie zusätzlich, ob Nachbauten technisch gleichwertig sind, denn die Gewährleistung kann abweichen.

Häufige Fragen

Wie hoch sollte der Mindestbestand sein?

Das hängt von den Stillstandskosten ab. Für kritische Teile sind 5.000 Euro netto ein üblicher Beispielwert, für C-Teile reichen oft wenige Hundert Euro.

Welche Teile gehören nicht ins Lager?

Teure A-Teile mit kurzer Beschaffungszeit und seltenem Ausfall, etwa Frequenzumrichter, Servomotoren oder SPS-CPU-Module. Rahmenverträge sind günstiger als gebundenes Kapital.

Wie oft sollte die Bevorratung geprüft werden?

Einmal jährlich, bei Lieferkettenproblemen auch halbjährlich. Meldebestände gehören an geänderte Lieferzeiten angepasst.

Was regelt die VDI 2890?

Die Richtlinie beschreibt Vorgehen und Kennzahlen für Betriebs- und Instandhaltungsmanagement. Sie liefert die Struktur, die konkreten Zahlen kommen aus Ihrer Anlagenhistorie.

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