Ersatzteile

Teil von Ersatzteile für Industrieanlagen: Beschaffung, Lagerung und Kennzeichnung

Originalersatzteile oder Nachbau im Vergleich

Originalersatzteile oder Nachbau im Vergleich: Preise, Garantie, Normkonformität und Anbieter wie Siemens, ABB, SKF, EU Automation und Radwell.

Das Wichtigste auf einen Blick

  • Originalteile von Siemens, ABB und SKF kommen mit Sachnummer, Herstellerfreigabe und dokumentierter Haftungskette.
  • Freie Anbieter wie EU Automation und Radwell International liefern Nachbau, Restposten und aufbereitete Baugruppen mit eigenen Garantiebedingungen.
  • Beispielrechnung: 30 Prozent Abschlag auf 1.000 Euro netto ergeben 300 Euro netto Ersparnis, brutto 357 Euro bei 19 Prozent Umsatzsteuer.
  • Bei sicherheitsrelevanten Bauteilen bleibt die Nachweispflicht beim Betreiber, unabhängig vom Teilepreis.

Anbieter und Preisniveau im direkten Vergleich

Der Markt zerfällt in drei Gruppen: Hersteller mit eigenem Ersatzteilservice, freie Händler mit Nachbau und Altbeständen sowie Instandsetzer, die vorhandene Baugruppen reparieren. Für jede Gruppe lassen sich benannte Adressen angeben.

Anbieter Rolle Sortiment Konditionen
Siemens (SiePortal) Hersteller Originalteile für Steuerungs- und Antriebstechnik Listenpreise, Lieferung ab Lager bei aktuellen Baureihen
ABB Hersteller Originalteile, Austauschbaugruppen, Serviceverträge Listenpreise, Garantie an Einbau nach Vorgabe gebunden
SKF Hersteller Wälzlager, Dichtungen, Zubehör Listenpreise, Identifikationsmerkmale gegen Fälschungen
EU Automation freier Händler Nachbau, Restposten und schwer beschaffbare Automatisierungstechnik von Siemens, ABB und Allen-Bradley Angebotspreise je Position, eigene Garantiebedingungen
Radwell International freier Händler und Instandsetzer aufbereitete Baugruppen, Altbestände, Reparatur Konditionen je Angebot, Garantie je Artikel

Bei Wälzlagern ist der Nachbau häufig kein No-Name-Produkt, sondern ein Lager eines anderen Markenherstellers wie FAG, NSK oder NTN. Solche Alternativen haben eigene Datenblätter, sind aber nicht mit SKF-Freigaben abgeglichen.

Was der Abschlag in Euro bedeutet

Angenommen wird ein Listenpreis von 1.000 Euro netto, wie er bei einer Austauschbaugruppe auftreten kann. Der freie Händler liegt im Beispiel 30 Prozent darunter.

Position Original Nachbau
Preis netto 1.000 Euro 700 Euro
Umsatzsteuer 19 % 190 Euro 133 Euro
Preis brutto 1.190 Euro 833 Euro
Ersparnis brutto entfällt 357 Euro

Das ist eine Beispielrechnung, keine Preiszusage eines Anbieters. Montage, Lagerhaltung und Ausfallzeit sind nicht enthalten.

Nebenkosten kippen den Vergleich häufig. Ein Nachbau, der zwei Jahre statt fünf Jahre hält, kostet je Betriebsstunde mehr als das Original. Einkäufer rechnen deshalb den Preis pro erwarteter Laufzeit und beziehen geplante Stillstände ein.

Die Verfügbarkeit wirkt in beide Richtungen. Aktuelle Siemens- und ABB-Baureihen liefern die Hersteller kurzfristig ab Lager. Bei Maschinen, die der Hersteller nicht mehr unterstützt, sind freie Anbieter oft die einzige Quelle, dann mit Lieferzeiten von mehreren Wochen.

Garantie, Haftung und Normkonformität

Hersteller regeln Garantie und Gewährleistung in ihren Einkaufsbedingungen und binden sie an Einbau und Wartung nach Vorgabe. Freie Händler nennen die Frist auf der Produktseite, sie fällt je Artikel unterschiedlich aus.

Die Haftungskette entscheidet im Schadensfall. Der Anlagenhersteller prüft, ob ein Fremdteil die Ursache war, und verweigert bei bestätigtem Ursachenzusammenhang gegebenenfalls Kulanz für die gesamte Baugruppe. Das Risiko trägt der Betreiber, nicht der Teilelieferant.

Für Arbeitsmittel gilt die Betriebssicherheitsverordnung (BetrSichV): Wer ein Arbeitsmittel ändert, muss die Gefährdungsbeurteilung anpassen und Prüfungen neu festlegen. Die Aufsicht führen die Länder. Ein Nachbau mit abweichenden Maßen, Werkstoffen oder Kennwerten kann eine solche Änderung darstellen.

Kommt das Teil als eigenständiges Produkt in Verkehr, greifen die Pflichten des Produktsicherheitsgesetzes (ProdSG) zu Kennzeichnung, technischer Dokumentation und Risikohinweisen. Fehlen diese Unterlagen, fehlt dem Betreiber ein Nachweis für Aufsichtsbehörden und Versicherer. Welche Normen für Arbeitsmittel gelten, fasst Arbeitsschutz in der Normung zusammen.

Woran sich Original und Nachbau unterscheiden lassen

Originalteile tragen Sachnummern, Herstellerlogos und Prüfzeichen, die sich über die Seriennummer der Anlage prüfen lassen. SKF stellt Identifikationsmerkmale für Ersatzteile und Zubehör bereit, mit denen sich Original, Lizenznachbau und Fälschung auseinanderhalten lassen. Bei Siemens und ABB führt der Weg über Ersatzteilkataloge und Sachnummern. Wer die Nummer nicht kennt, fragt sie beim Hersteller an, statt nach gemessenen Maßen zu bestellen.

Fünf Prüfschritte vor der Bestellung

  1. Sicherheitsrelevanz klären: Steuert das Teil Schutzeinrichtungen, Bremsen oder Überwachungsfunktionen, bleibt es beim Original.
  2. Sachnummer abgleichen und beim Hersteller anfragen, ob der Nachbau freigegeben ist.
  3. Unterlagen anfordern: Zeichnung, Werkstoffnachweis, Maßprotokoll, Konformitätserklärung.
  4. Garantie und Haftung schriftlich regeln, samt Ausschlüssen und Regress bei Folgeschäden.
  5. Preis pro erwarteter Laufzeit rechnen und das Stillstandsrisiko mit einem Betrag hinterlegen.

Häufige Fragen

Sind Nachbauersatzteile rechtlich zulässig?

Der Einbau ist nicht verboten. Verantwortlich für Sicherheit und Prüfungen bleibt der Betreiber, der die Gefährdungsbeurteilung fortschreiben muss.

Welche Anbieter liefern Nachbau für Siemens und ABB?

Freie Händler wie EU Automation und Radwell International führen Automatisierungstechnik dieser Marken, dazu Instandsetzer für alte Baugruppen. Die Hersteller selbst liefern nur Originalteile.

Wie groß ist der Preisvorteil?

Im Rechenbeispiel 30 Prozent, das sind bei 1.000 Euro netto Originalpreis 300 Euro netto oder 357 Euro brutto Ersparnis.

Verliert die Anlage ihre Herstellergarantie?

Nicht automatisch. Der Hersteller prüft den Ursachenzusammenhang und lehnt Kulanz ab, wenn ein Fremdteil den Schaden nachweislich verursacht hat.

Welche Nachweise muss ein Nachbauanbieter liefern?

Zeichnung, Werkstoffangabe, Maßprotokoll, Prüfbericht und, wenn das Teil eigenständig in Verkehr kommt, Angaben nach ProdSG.

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