Ersatzteile
Teil von Ersatzteile für Industrieanlagen: Beschaffung, Lagerung und Kennzeichnung
3 Wege zur Identifikation von Ersatzteilen
Ersatzteile identifizieren: drei Wege über DIN-Normen, Herstellernummern und 3D-Scan, inklusive Normen wie DIN EN 81346, ISO 8000 und Kosten je Bauteil.
Das Wichtigste auf einen Blick
- Normteile sind über ihre DIN- oder ISO-Bezeichnung eindeutig bestimmt.
- Herstellernummern und Typenschilder führen bei Bauteilen ohne Norm zum Ziel.
- 3D-Scan und Reverse Engineering erschließen Teile ohne Kennzeichnung, kosten aber Geld.
- DIN EN 81346 ordnet Anlagen, ISO 8000 sichert die Qualität der Stammdaten.
Weg 1: Normteile über ihre Bezeichnung identifizieren
Ein großer Teil der verbauten Ersatzteile sind Normteile: Schrauben, Muttern, Scheiben, Wälzlager, Dichtringe und Rohrverschraubungen. Ihre Bezeichnung folgt einer Norm und enthält alle Merkmale, die eine eindeutige Bestellung braucht.
Eine Sechskantschraube nach DIN EN ISO 4014 mit Gewinde M12, Länge 60 Millimeter und Festigkeitsklasse 8.8 ist damit vollständig beschrieben. Fehlt die Festigkeitsklasse, bleibt das Teil mehrdeutig.
Welche Norm gilt, klärt die Übersicht zu Normen und Standards beim DIN. Dort sind die Bezeichnungssysteme dokumentiert, auf denen jede Ersatzteilidentifikation aufsetzt.
Für den Katalog kommt DIN EN 81346 hinzu. Die Norm vergibt jedem Objekt einer industriellen Anlage einen eindeutigen Referenzschlüssel. Dieser Schlüssel verbindet Einbauort und Ersatzteil. Wer ihn pflegt, findet ein Bauteil über seinen Platz in der Anlage statt über eine Ordnersuche.
Normteile decken Verschleißteile ab, nicht aber kundenspezifische Baugruppen. Für sie braucht es die Herstellernummer.
Weg 2: Herstellernummern und Stücklisten auswerten
Ohne Norm führt der Weg über die Nummer des Herstellers. Sie steht auf dem Typenschild, auf der Baugruppe oder in der Ersatzteilliste der Betriebsanleitung. Erfasst werden muss immer die vollständige Nummer mit Index.
Typenschilder sind oft die einzige Quelle, wenn Unterlagen fehlen. Fotografieren Sie das Schild vor dem Reinigen, denn Siebdruck leidet unter Lösungsmitteln. Notieren Sie außerdem Baujahr und Maschinennummer.
Für die Datenqualität gilt ISO 8000. Die Norm beschreibt Anforderungen an Stammdaten wie Vollständigkeit, Genauigkeit, Aktualität und Nachvollziehbarkeit. Im Ersatzteilkatalog heißt das: Pflichtfelder festlegen, Dubletten prüfen, Quelle je Nummer eintragen, Feldlängen begrenzen.
Hersteller liefern zusätzlich eigene Identifikationsmerkmale. Im Katalog für Teile und Zubehör von SKF ist beschrieben, wie sich Originalteile an Kennzeichnung, Lagemaßen und Dichtungsausführung erkennen lassen.
Bleibt die Nummer unleserlich, hilft der dritte Weg.
Weg 3: 3D-Scan und Reverse Engineering
Fehlt jede Kennzeichnung, bleibt die geometrische Erfassung. Beim 3D-Scan wird das Bauteil berührungslos vermessen. Aus der Punktwolke entsteht ein Modell, aus dem eine Zeichnung abgeleitet wird. Dieses Vorgehen heißt Reverse Engineering.
Sinnvoll ist der Scan bei Gussteilen, nummerlosen Verschleißteilen und Teilen aus Stilllegungen. Voraussetzung ist ein Referenzstück in brauchbarem Zustand, denn Verschleiß am Original wandert ins Modell. Kritische Maße sollten am Einbauort nachgeprüft werden.
Die drei Wege im Vergleich
| Weg | Grundlage | Typische Teile | Aufwand |
|---|---|---|---|
| Normbezeichnung | DIN, ISO | Schrauben, Lager, Dichtungen | gering |
| Herstellernummer | Typenschild, Stückliste | Baugruppen ohne Norm | mittel |
| 3D-Scan | Punktwolke, Modell | Teile ohne Kennzeichnung | 250 Euro netto je Bauteil |
Die Tabelle zeigt die Reihenfolge der Prüfung: erst Norm, dann Herstellernummer, zuletzt der Scan.
Rechenbeispiel: 3D-Scan je Bauteil
Dienstleister nennen für Scan und Modellaufbereitung typischerweise 250 Euro netto pro Bauteil. Mit 19 Prozent Mehrwertsteuer sind das 297,50 Euro brutto. Für eine Baugruppe mit acht Einzelteilen ergeben sich 2.000 Euro netto und 2.380 Euro brutto. Fahrtkosten und Rüstzeiten kommen hinzu, mehrere Teile senken den Anteil je Stück. Die Werte sind ein Beispiel und ersetzen kein Angebot.
Häufige Fragen
Wann reicht die Normbezeichnung für eine Bestellung?
Wenn Norm, Abmessung und Festigkeitsklasse feststehen. Fehlt ein Merkmal, ist die Bestellung nicht eindeutig.
Was tun, wenn das Typenschild unleserlich ist?
Herstellerdokumentation, Bauunterlagen und Ersatzteillisten prüfen. Bleibt die Nummer unbekannt, hilft der 3D-Scan.
Warum ist DIN EN 81346 für den Ersatzteilkatalog wichtig?
Sie gibt jedem Objekt der Anlage einen eindeutigen Referenzschlüssel. Über ihn lässt sich ein Ersatzteil über seinen Einbauort finden.
Woher kommen Standardteile ohne Scan?
Schrauben, Lager und Dichtungen führt der Industriebedarf von Würth für Handwerk und Industrie. Ein Scan lohnt nur bei Teilen ohne Kennung.